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KATHOLISCHE KIRCHENGEMEINDE SANKT BENEDIKT

Herzlich willkommen

in der Katholischen Kirchengemeinde
Pfarrei St. Benedikt in Berlin-Steglitz/Zehlendorf


Gott und die Welt

Liebe Gemeinde von Sankt Benedikt, sehr geehrter Besucher unserer Internetseiten,

Wer von uns würde nicht gern einmal in die Zukunft blicken? Zu allen Zeiten hatten Menschen das Bedürfnis, Aufschluss über die Zukunft zu erhalten. Vom Wahrsagen,um das Schicksal oder die Zukunft vorauszusagen oder Entscheidungshilfe in schwierigen Situationen zu geben, berichten bereits babylonische und ägyptische Quellen. Das Wahrsagen in den unterschiedlichsten Varianten stützt sich auf die Annahme, dass es unter bestimmten Voraussetzungen und bei Befolgung bestimmter Regeln oder Methoden möglich ist, einen Einblick in übernatürliches verborgenes Wissen zu erhalten. Besonders in Krisenzeiten haben Menschen immer wieder versucht, über das Wahrsagen Rat und Hilfe zu erhalten.
Können wir in die Zukunft sehen? Lesen wir, was Joseph Kardinal Ratzinger in seinem Buch

Gott und die Welt

dazu zu sagen hat:
Johannes Paul II. meinte einmal: ‚Wenn man sich mit Gott beschäftigt, kann man von dem Licht empfangen, das einem die Wege des Herrn aufzeigt und damit etwas vom Plan Gottes enthüllt. Heißt das, dass man mit dem Glauben sogar in die Zukunft sehen kann?
In der Tat können wir etwas von dem Plan Gottes erkennen. Diese Erkenntnis reicht über das individuelle Schicksal meiner Person und meines Weges hinaus. Wir können damit auch im Rückblick auf das Große der Geschichte sehen, dass hier nicht etwas zufällig dahin treibt, sondern ein Weg enthalten ist und ein Ziel angesteuert wurde. In dem scheinbar so zufälligen Geschehen können wir eine innere Vernunft Gottes kennen lernen. Wenn wir damit auch nicht voraussagen können, was dann und dann geschehen wird, so kann doch eine bestimmte Wachheit für die Gefahren entstehen, die in bestimmten Dingen liegen. Es entsteht ein Sinn für die Zukunft, indem ich sehe, was auf der einen Seite Zukunft zerstört – weil es der inneren Logik des Weges entgegengesetzt ist –, und was auf der anderen Seite weiterführt – weil es positiv Türen öffnet und dem inneren Plan des Ganzen entspricht. Insofern entsteht die Fähigkeit, Zukunft zu diagnostizieren.
So ist es ja auch bei den Propheten. Die sind ja nicht als Wahrsager zu verstehen, sondern als Stimmen, die von Gott her die Zeit erkennen und dadurch warnen können vor dem, was zerstörerisch ist – und andererseits anzeigen, wo der Weg ist, der richtig führt.

Wenn Jesus Christus Gottes Sohn und Gott selbst ist, allmächtig und allwissend, dann müsste man vielleicht auch sagen können: Ja, er hat mich, mich ganz persönlich, zu jener Stunde vor 2000 Jahren, als er gemartert am Kreuz hing, bereits erkannt. Er hat sogar, durch seine göttliche Vorsehung, meinen Namen schon gekannt.
Im Galater-Brief sagt Paulus einmal: ‚Er hat mich gekannt und sich für mich hingegeben. Rein empirisch hat er natürlich Paulus nicht gekannt. Aber Paulus wusste doch, da er vom Auferstandenen angerufen worden war, dass der Blick des Herrn auch zu ihm hingegangen ist.
Wir sollten nicht versuchen uns vorzustellen, wie Christus nun als Mensch die Unendlichkeit der Personen in der Geschichte überblicken konnte, aber dass er letzten Endes in diesem Augenblick der Ölberg-Angst, in diesem Augenblick des Ja zum Kreuz, uns im Blick hatte, dass er auch mich gekannt hat, das kann man sagen. Dieser Akt enthält ja den Liebesentschluss, der in der Ewigkeit gefasst ist und der in das zeitliche Leben Christi durchschlägt und es bestimmt. Damit weiß ich, ich bin nicht nur irgendein Nachgeborener, einfach einer, der außerhalb des Lichtkegels steht, sondern es gibt eine persönliche Beziehung zu mir, die im Akt der Hingabe Christi ihre innerste Verankerung hat.“

Kardinal Ratzinger sagt: „Es entsteht ein Sinn für die Zukunft, indem ich sehe, was auf der einen Seite Zukunft zerstört – weil es der inneren Logik des Weges entgegengesetzt ist –, und was auf der anderen Seite weiterführt – weil es positiv Türen öffnet und dem inneren Plan des Ganzen entspricht. Insofern entsteht die Fähigkeit, Zukunft zu diagnostizieren.“ Und ich denke, dass genau das heute unser Problem ist. Wir sind heute dabei, eine Umwelt zu schaffen, die für den Menschen unerträglich ist, denken wir nur an unsere Umweltprobleme, an den Klimawandel, an den Umgang mit menschlichem Leben schon vor der Geburt. Offenbar zerstören wir Lebenszusammenhänge, aus denen wir alle leben. Praktisch können wir heute fast alles verändern, die Frage ist nur, wie weit wir das dürfen.
Die Mahnungen kommen heute nicht von einer unbequemen Moral her, sondern von der Naturwissenschaft selbst. Der Mensch darf eben nicht alles, was er kann. Die Frage ist nur, woher nimmt der Mensch die Normen für die heute aktuellen Entscheidungen? Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir Christen zusammen mit unseren Mitmenschen die Verantwortung für die gemeinsame Zukunft auf sich nehmen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit!

Ihr Pfarrer W. Lehmann