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KATHOLISCHE KIRCHENGEMEINDE SANKT BENEDIKT

Herzlich willkommen

in der Katholischen Kirchengemeinde
Pfarrei St. Benedikt in Berlin-Steglitz/Zehlendorf


Gott und die Welt

Liebe Gemeinde von Sankt Benedikt, sehr geehrter Besucher unserer Internetseiten,

entweder erscheint heute dem modernen Menschen der Glaube an Gott zu schwer, ja fast unmöglich, oder er widersetzt sich den Konsequenzen, die sich aus dem Glauben an Gott ergeben. Viele missachten heute auch den Glauben als eine des Menschen unwürdige, ja kindische und unvertretbare Haltung. Andererseits kann der Nicht-Glaube aber auch ein Ausdruck der Glaubensnot des modernen Menschen sein und die vermeintliche Unfähigkeit zu glauben signalisieren.
Aber muss ich überhaupt an Gott glauben? Kann ich nicht auch ohne den Glauben an ihn leben? Was bringt mir der Glaube an Gott? Joseph Kardinal Ratzinger kommt in seinem Buch

Gott und die Welt

zu einer überraschenden Antwort:

‚Nächte voller Mühsal teilte man mir zu’, so klagte Hiob, ‚lege ich mich nieder, sage ich, wann darf ich aufstehen. Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast... nie mehr schaut mein Auge Glück.’ Wenn einem schon dieser Seelen- Schmerz nicht erspart bleibt, was bekommt man dann eigentlich vom Glauben?
Man darf diese Frage schon stellen, denn wenn ich etwas tue, muss es Sinn haben. Man will wissen: Ist das eigentlich richtig? Bedeutet das etwas oder ist es in Wirklichkeit eine Täuschung? Falsch wird diese Fragestellung dann, wenn man alles, was es gibt, nur unter dem Aspekt des Ich betrachtet, unter der Prämisse, was ich davon bekomme. Dann ist man nämlich in einer Perspektive der Habsucht nach Leben, der Verschließung in sich selbst, mit der man nichts mehr verstehen kann und durch die man letztlich am Leben scheitern muss.
Christus sagte einmal: Wer sein Leben besitzen will, der verliert es. Und wer sein Leben verliert, wer bereit ist, es wegzugeben, der kommt in die richtigen Perspektiven und kann es dadurch finden. Das heißt, ich muss letzten Endes die Frage nach dem, was ich davon habe, abwerfen. Ich muss lernen zu erkennen, dass es wichtig ist, mich einmal loszulassen. Ich muss bereit sein, mich zu geben.

Das sagt sich so leicht.
Aber es gehört ja auch schon zu jeder menschlichen Liebe, dass sie nur dann wirklich bereichernd und groß ist, wenn ich bereit bin, für diesen Menschen auf mich selbst zu verzichten, aus mir herauszugehen, mich zu geben. Und das gilt erst recht in dem Großen unseres Verhältnisses zu Gott, aus dem schließlich alle anderen Verhältnisse erst entstehen können.
Anfangen muss ich damit, dass ich nicht mehr auf mich hinschaue, sondern mich frage, was er will. Anfangen muss ich damit, Liebe zu erlernen. Die besteht eben darin, den Blick von mir weg- und auf ihn hinzuwenden. Wenn wir dann aus dieser Grundrichtung heraus nicht mehr fragen, was kann ich alles für mich selbst verbuchen, sondern mich einfach von ihm führen lasse, mich wirklich verliere in Christus, wenn ich mich fallen lasse, loslasse von mir selbst, dann merke ich, ja, so wird das Leben erst richtig, weil ich ohnedies für mich allein viel zu eng bin. Wenn ich sozusagen ins Freie gehe, dann erst beginnt es, dann kommt das Große des Lebens.

Jetzt wird es vermutlich heißen, dass diese Geschichte ganz schön dauern kann.
Nun, das ist natürlich ein Weg, den man nicht von heute auf morgen tun kann. Wenn man auf das schnelle Glück eingestellt ist, dann klappt’s mit dem Glauben nicht. Und vielleicht ist das einer der Gründe für die heutige Glaubenskrise, dass wir die Lust und das Glück sofort abholen wollen und nicht das Abenteuer riskieren, das ein ganzes Leben dauert – in dem großen Vertrauen, dass dieser Sprung eben nicht im Nichts endet, sondern dass er seinem Wesen nach der Akt der Liebe ist, für den wir geschaffen sind. Und der mir überhaupt erst das gibt, was ich will: zu lieben und geliebt zu sein, und damit das eigentliche Glück zu finden.”


Der Glaube ist jedoch nicht nur eine Sache des inneren Menschen, ist nicht nur seine Privatsache, sondern er wirkt sich im Verhalten gegenüber anderen Menschen aus. Der Glaube verlangt Konsequenzen. Er durchdringt die ganze Existenz und wird sichtbar in den Taten des Menschen. „Der Glaube ohne Taten ist nutzlos.”(Jak 2,29) Er muss sich im täglichen Leben erweisen. Darum darf das glaubende Ja des Menschen nicht nur die Zustimmung des Verstandes bleiben, sondern es muss sich in der verantwortenden Tat seines Lebens auswirken. Glauben ist nicht nur ein „Für-wahr-Halten”, ein theoretisches Ja zur Botschaft Jesu, sondern formt das ganze Leben. In ihm sind Theorie und Praxis eins. Glaube ist Weisung und Weg. Es muss das dauernde „Experiment mit dem Glauben” gemacht werden, und das ein ganzes Leben lang. Und so ergänzen sich in Wirklichkeit die beiden umstrittenen Worte: „Der Gerechte lebt [nur] aus dem Glauben!” (vgl. Röm 1,17) und „Ohne Werke ist der Glaube tot.”(vgl. Jak 2,20). Der große Theologe Hans Urs von Balthasar fasst diese beiden Zitate großartig zusammen, indem er sagt: „Glaubwürdig ist allein die Liebe!”
Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit!

Ihr Pfarrer W. Lehmann