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Liebe Gemeinde von Sankt Benedikt, sehr geehrter Besucher unserer Internetseiten,
Wer von uns würde nicht gern einmal in die Zukunft
blicken? Zu allen Zeiten hatten Menschen das Bedürfnis,
Aufschluss über die Zukunft zu erhalten.
Vom Wahrsagen,um das Schicksal oder die Zukunft
vorauszusagen oder Entscheidungshilfe in schwierigen Situationen
zu geben, berichten bereits babylonische und ägyptische Quellen.
Das Wahrsagen in den unterschiedlichsten Varianten
stützt sich auf die Annahme, dass es unter bestimmten Voraussetzungen
und bei Befolgung bestimmter Regeln oder Methoden möglich ist,
einen Einblick in übernatürliches verborgenes Wissen zu erhalten.
Besonders in Krisenzeiten haben Menschen immer wieder versucht, über das Wahrsagen Rat
und Hilfe zu erhalten.
Können wir in die Zukunft sehen? Lesen wir, was Joseph Kardinal
Ratzinger in seinem Buch
Gott und die Welt
dazu zu sagen hat:
„Johannes Paul II. meinte einmal: ‚Wenn man sich mit Gott beschäftigt, kann
man von dem Licht empfangen, das einem die Wege des Herrn aufzeigt und
damit etwas vom Plan Gottes enthüllt. Heißt das, dass man mit dem Glauben
sogar in die Zukunft sehen kann?
In der Tat können wir etwas von dem Plan Gottes erkennen. Diese Erkenntnis
reicht über das individuelle Schicksal meiner Person und meines Weges hinaus.
Wir können damit auch im Rückblick auf das Große der Geschichte sehen,
dass hier nicht etwas zufällig dahin treibt, sondern ein Weg enthalten ist
und ein Ziel angesteuert wurde. In dem scheinbar so zufälligen Geschehen
können wir eine innere Vernunft Gottes kennen lernen.
Wenn wir damit auch nicht voraussagen können, was dann und dann geschehen wird,
so kann doch eine bestimmte Wachheit für die Gefahren entstehen, die in
bestimmten Dingen liegen. Es entsteht ein Sinn für die Zukunft,
indem ich sehe, was auf der einen Seite Zukunft zerstört – weil es der
inneren Logik des Weges entgegengesetzt ist –, und was auf der anderen
Seite weiterführt – weil es positiv Türen öffnet und dem inneren Plan des
Ganzen entspricht. Insofern entsteht die Fähigkeit, Zukunft zu diagnostizieren.
So ist es ja auch bei den Propheten. Die sind ja nicht als Wahrsager zu verstehen,
sondern als Stimmen, die von Gott her die Zeit erkennen und dadurch warnen
können vor dem, was zerstörerisch ist – und andererseits
anzeigen, wo der Weg ist, der richtig führt.
Wenn Jesus Christus Gottes Sohn und Gott selbst ist, allmächtig und
allwissend, dann müsste man vielleicht auch sagen können: Ja, er hat mich,
mich ganz persönlich, zu jener Stunde vor 2000 Jahren, als er gemartert am
Kreuz hing, bereits erkannt. Er hat sogar, durch seine göttliche Vorsehung,
meinen Namen schon gekannt.
Im Galater-Brief sagt Paulus einmal: ‚Er hat mich gekannt und sich für mich
hingegeben. Rein empirisch hat er natürlich Paulus nicht gekannt. Aber Paulus
wusste doch, da er vom Auferstandenen angerufen worden war, dass der
Blick des Herrn auch zu ihm hingegangen ist.
Wir sollten nicht versuchen uns vorzustellen, wie Christus nun als Mensch die
Unendlichkeit der Personen in der Geschichte überblicken konnte, aber dass
er letzten Endes in diesem Augenblick der Ölberg-Angst, in diesem Augenblick
des Ja zum Kreuz, uns im Blick hatte, dass er auch mich gekannt hat,
das kann man sagen. Dieser Akt enthält ja den Liebesentschluss, der in der
Ewigkeit gefasst ist und der in das zeitliche Leben Christi durchschlägt und es
bestimmt. Damit weiß ich, ich bin nicht nur irgendein Nachgeborener, einfach
einer, der außerhalb des Lichtkegels steht, sondern es gibt eine persönliche
Beziehung zu mir, die im Akt der Hingabe Christi ihre innerste Verankerung
hat.“
Kardinal Ratzinger sagt: „Es entsteht ein Sinn für die Zukunft, indem ich
sehe, was auf der einen Seite Zukunft zerstört – weil es der inneren Logik des
Weges entgegengesetzt ist –, und was auf der anderen Seite weiterführt –
weil es positiv Türen öffnet und dem inneren Plan des Ganzen entspricht.
Insofern entsteht die Fähigkeit, Zukunft zu diagnostizieren.“ Und ich denke,
dass genau das heute unser Problem ist. Wir sind heute dabei, eine Umwelt
zu schaffen, die für den Menschen unerträglich ist, denken wir nur an unsere
Umweltprobleme, an den Klimawandel, an den Umgang mit menschlichem
Leben schon vor der Geburt. Offenbar zerstören wir Lebenszusammenhänge,
aus denen wir alle leben. Praktisch können wir heute fast alles verändern,
die Frage ist nur, wie weit wir das dürfen.
Die Mahnungen kommen heute nicht von einer unbequemen Moral her, sondern
von der Naturwissenschaft selbst. Der Mensch darf eben nicht alles,
was er kann. Die Frage ist nur, woher nimmt der Mensch die Normen für die
heute aktuellen Entscheidungen? Gerade deshalb ist es so wichtig, dass
wir Christen zusammen mit unseren Mitmenschen die Verantwortung für die
gemeinsame Zukunft auf sich nehmen.
Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit!
Ihr Pfarrer W. Lehmann
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